Was ist FASD?

Die Fetalen Alkohol-Spektrumstörungen, kurz: FAS oder FASD, sind ausgesprochen vielfältig.  

Die Oberbegriffe FAS und FASD beziehen sich auf ein großes Spektrum an Symptomen. Manche Menschen sind lediglich leicht von einzelnen Symptomen beeinträchtigt, während andere ein Leben lang Hilfe und Unterstützung benötigen.

Bei FASD gilt deshalb die Regel: "Kennst du ein Kind mit FASD, kennst du eins."

Die wenigsten Menschen mit FAS oder FASD werden erkannt. Die Diagnose wird in Deutschland nur bei einer kleinen Gruppe unter den betroffenen Kindern und Erwachsenen gestellt. 

FAQ

Sie haben noch Fragen zu FASD? Die häufigsten Fragen habe ich hier zusammengestellt:

Was ist der Unterschied zwischen FASD und FAS? 

FASD und FAS sind 2 Oberbegriffe für 1 Spektrumstörung.
FASD ist eine englische Abkürzung und heißt Fetal Alcohol Spectrum Disorder.
FAS ist eine deutsche Abkürzung und heißt Fetale Alkohol Spektrumstörungen
 

FASD und FAS sind beides Oberbegriffe für das ganze Spektrum der lebenslangen Folgen durch mütterlichen Alkoholkonsum von Schwangerschaftswoche 1 bis zur Geburt des Kindes. Es gibt keinen Unterschied zwischen FAS und FASD. Im deutschen ist die Bezeichnung FAS-Vollbild für eine der drei Unterdiagnosen (FAS-Vollbild, pFAS, ARND) gebräuchlich. Dies trägt leider manchmal mehr zur Verwirrung bei, als zur Klarheit.

Andere ältere Oberbegriffe für die Spektrumstörung sind:

  • Fetales Alkohol Syndrom
  • Alkoholembryopathie
  • fetale Alkoholeffekte
  • Alkoholembryofetopathie 


Die Unterdiagnosen von FASD heißen FAS-Vollbild, pFAS und ARND. Kann man sagen, welche weniger schlimm ist? 

Die Unterdiagnosen sind eine natur-wissenschaftlich orientierte Systematik in der Medizin, die nichts über die Art und Schwere der Schädigung des ZNS und deshalb auch nichts über die Probleme im Alltag aussagt. 

 

Ist FASD selten?

1 von 50 Kindern wird in Deutschland mit FASD geboren. Dazu kommt wahrscheinlich noch eine hohe Dunkelziffer. 

Haben alle Menschen mit FASD die gleichen Probleme? 

Defintiv nicht.
Alkohol ist ein Zellgift, das auf jede Zelle des ungeborenen Kindes einwirkt. Dadurch können auch z.B. Schäden an den Augen, Zähnen, Gelenken, Herz oder Nieren auftreten. Das Gehirn und ZNS sind immer betroffen, aber die Art und Schwere der Schädigung ist insgesamt individuell verschieden. FASD kann mit einer schweren geistigen Behinderung einhergehen, einer leichten geistigen Behinderung, einem normalen oder sogar einem sehr hohen IQ von 130 und mehr. 


Es gibt Menschen mit FASD, die Auto fahren, segeln oder fliegen. Menschen mit FASD leben als Unternehmer, Akademiker, Kaufleute, Erzieher, Handwerker oder oder in der Mitte der Gesellschaft. Andere brauchen Unterstützung in sehr vielen oder sogar allen Bereichen des täglichen Lebens. Wieder andere fallen durch alle Raster. 

Entsteht FASD nur bei Alkoholikerinnen? 

Fetale Alkohol Spektrum Störungen können durch jede Menge Alkohol entstehen. Ein Glas kann ausreichen um das Kind zu schädigen. Alkohol ist ein Zellgift. Es gibt keine Menge dieser Droge, die für ein Baby und erst recht nicht für einen Embryo oder Fötus unbedenklich ist. Das Zellgift Alkohol fragt nicht nach Sucht oder nicht Sucht, viel Alkohol oder wenig Alkohol und entscheidet dann, ob es ein Zellgift ist oder nicht. Das Zellgift Alkohol greift in jeder Menge die Gehirn und Nervenzellen des ungeborenen Kindes an. Darum gilt: Wenn schwanger dann ZERO!

 

Welche Frauengruppen sind besonders gefährdet ein Kind mit FASD zu bekommen?

Deutschland ist ein Hochkonsumland in Bezug auf Alkohol. Etwa 30 % der Schwangeren in Deutschland trinken Alkohol (Studie: Spohr, Charité 2013).  Manchmal bemerken Frauen ihre Schwangerschaft erst spät und trinken bis dahin wie gewohnt weiter: einen Prosecco am Wochenende oder einen Sekt am Geburtstag. Oder Schwangere wollen die Schwangerschaft noch nicht öffentlich machen und trinken deshalb in Gruppen mit, um nicht aufzufallen und unangehme Fragen zu vermeiden. Nicht zuletzt auch, weil ihnen das Risiko vielleicht nicht wirklich bewusst ist. 

Zu den Risikogruppen gehören deshalb außer Alkoholikerinnen und Frauen aus prekären Verhältnissen, z.B.:

  • Teenager
  • ältere Schwangere um die 40 Jahre
  • Akademikerinnen 
  • Frauen mit hohem sozio-okönomischen Status 
  • Frauen, die ungeplant schwanger werden
  • Frauen, deren Periode nicht ausbleibt


Meine Freundin hat an Silvester 2 Gläser Sekt getrunken. Ihr Kind ist aber gesund. Wie kann das sein? 

Die Freundin und ihr Kind hatten Glück. Es kommt bei der Entstehung des Schadens auf den Stoffwechsel von Kind und Mutter an und auf die Gene des Kindes. Stoffwechsel und Gene sind entscheidende Faktoren für die Art und Schwere der Schädigung durch die Alkoholintoxikation. 

Ist das ungeborene Kind in den ersten 12 Wochen der Schwangerschaft vor einem Alkoholschaden geschützt? 

Die Vorstellung vom Schutz vor dem Zellgift Alkohol gehört eindeutig in den Bereich der Märchen. Alkohol ist ein Teratogen und gelangt durch die Plazenta sofort zum ungebornen Kind. Andere Drogen tun das übrigens auch. In den ersten 12 Wochen sind Gehirn, ZNS (zentrales Nervensystem) und Herz sogar besonders gefährdet geschädigt zu werden. 

Seid wann gibt es FASD?

Ein etwa 3000 Jahre alter Text im hebräischen Teil der Bibel, im "Alten Testament", erwähnt, dass auf Wein in der Hochzeitsnacht verzichten soll, wer gesunde Söhne (!) bekommen möchte: Richter, Kapitel 13, Vers 1-7. 

1736 fiel in England während der sog. Gin-Epidemie der Zusammenhang von Alkoholkonsum in der Schwangerschaft und vorgeburtlicher Schädigung der Föten auf und schaffte es sogar als Bericht bis ins britische Parlament.

1899 wunderte sich der englische Gefängnisarzt W.C. Sullivan über den gesunden Nachwuchs der inhaftierten Frauen und führte dies auf den fehlenden Alkoholkonsum im Gefängnis zurück. Er hatte eigentlich erwartet, dass die inhaftierten Frauen beeinträchtigte Kinder zur Welt bringen.


1957 veröffentliche die Ärztin Jacqueline Rouquette in Frankreich die erste Dissertation zu FAS. Sie untersuchte für ihre Doktorarbeit 100 Kinder von Müttern, die in der Schwangerschaft Alkohol getrunken hatten und beschrieb als Erste FAS präzise. 

1973 gaben David Smith und Ken Jones in den USA dem Fetalen Alkoholsyndrom den Namen: Fetal Alcohol Spectrum Disoder / FASD.

FASD ist nicht heilbar. Ist es dann nicht egal, ob eine Diagnose gestellt wird oder nicht? 

Das kommt sehr auf den Einzelfall an.

  • Menschen mit Fetaler Alkohol Spektrum Störung geraten leicht in eine Abwärtsspirale aus Stress, Überforderung und Scheitern, wenn FASD nicht erkannt oder berücksichtigt wird. Eine frühe Diagnose und die richtige Unterstützung können hier viel Gutes bewirken und die Folgen von FASD abmildern. 
  • Menschen mit FASD fragen sich als Kinder, Jugendliche oder als Erwachsene mitunter ihr Leben lang, was mit ihnen nicht stimmt. Sie fragen sich z.B., warum ihnen immer wieder der gleiche Fehler passiert, warum der Alltag so anstrengend für sie ist und leiden darunter. 
  • Andere gehen glücklich durch ihr Leben, brauchen aber dringend den Zugang zu Hilfen. In diesen Fällen kann eine gute Diagnostik ein Gamechanger sein. 

FASD ? Gehen wir`s an!

Ich berate Sie gerne bei der Planung einer FASD-Weiterbildung in ihrer Einrichtung oder Organisation. Wir klären in einem unverbindlichen Gespräch, was Sie ihren Mitarbeitenden oder Klientinnen und Klienten anbieten möchten und was der nächste Schritt in ihrem Hause sein kann.

Sabine Leipholz 

Supervision & FASD

Telefon: 0 21 63 / 499 70 82
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